Escritoras y Pensadoras Europeas

Bettina Von Arnim (1785 - 1859)

por Maria Evelina Santoro

Bettina von Arnim, geboren als Elisabeth Catharina Ludovica Magdalena Brentano, war die Tochter des Großkaufmanns Peter Anton Brentano und seiner Frau Maximiliane. Bis zu ihrem 13. Lebensjahr wurde sie im Ursulinenkloster in Fritzlar erzogen. Nach dem Tod der Eltern lebte sie bei ihrer Großmutter Sophie von La Roche in Offenbach, später in Frankfurt. Ihre Schwester Gunda war mit dem Rechtsgelehrten Friedrich Karl von Savigny verheiratet und lebte in Marburg, wo Bettina auch einige Zeit verbrachte. 1810 folgte sie dann den Savignys nach Berlin. 1811 heiratete Bettina Achim von Arnim, den sie bereits in Frankfurt als Freund und Studienkollegen ihres Bruders Clemens Brentano kennen gelernt hatte. Die Ehe dauerte zwanzig Jahre bis zu seinem plötzlichen Tod 1831 und brachte sieben Kinder hervor. Nach dieser Ehe begann die Hauptzeit ihrer schriftstellerischen Tätigkeit. Außerdem kümmerte sie sich um die Herausgabe der Werke ihres Mannes und ihrer eigenen Schriften. 1858 erlitt sie einen Schlaganfall, von dem sie sich nicht mehr erholte. Am 20. Januar 1859 starb sie im Kreise ihrer Familie.
Bettina gab ihr Korrespondenzen mit Goethe, Karoline von Günderrode, Clemens Brentano, Philipp von Nathusius und Friedrich Wilhelm IV. von Preußen in zum Teil sehr stark bearbeiteter Form heraus. Diese Briefbücher, die nach Grundsätzen gestaltet worden waren, die sich auf die romantische Poetik zurückführen lassen, wurden von den Lesern manchmal für authentische Dokumente gehalten, was zu allerlei Vorwürfen gegen Bettina von Arnims vermeintliche "Fälschungen" führte. Insbesondere das 1835 erschienene Goethes Briefwechsel mit einem Kinde wurde ein Verkaufserfolg und beeinflusste stark das Goethe-Bild der Folgezeit, insbesondere unter den Romantikern. Die Originalbriefe wurden im Jahr 1922 publiziert. In dem Briefroman Die Günderode verarbeitete sie die Monate ihrer Freundschaft mit Karoline von Günderrode im Jahr 1804 und deren Selbstmord. Des weiteren beschäftigte sie sich intensiv mit Musik und Zeichnen. Beschränkt wurden diese Bemühungen aber unter anderem durch ihre umfangreichen Hausfrauenpflichten und die Geldsorgen der Familie. Bettina von Arnims soziales Engagement hatte 1831 begonnen, als in Berlin die Cholera zahlreiche Opfer forderte. Ihre „närrische“ und exzentrische Image, die sie schon als Kind hatte, verhalf ihr noch zu einem willkommenen Freiraum vor der Zensur, als sie 1843 in der Schrift Dies Buch gehört dem König mit der gleichen „rücksichtlosen Ungeniertheit“, die sie der Konvention gegenüber an den Tag legt, die gesellschaftliche Verhältnisse beleuchtet. In der für Arnims Stil typischen Form dialektgefärbter, metaphernreicher und assoziativ-abschweifender Betrachtungen der „Frau Rat“, Mutter des von ihr gerade kultisch verehrten Goethe, appelliert das Königsbuch an Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. Lange in Illusionen befangen, glaubt sie ihn dazu willens und fähig, sich als Vordenker, Erzieher und Wohltäter zu setzten. Mit dem Folgeprojekt, Gespräche mit Dämonen (1852), einer großen Dokumentation der wachsenden sozialen Verelendung und ihrer Ursachen, überschreitet Arnim dann aber doch die Toleranzschwelle. Dieses wurde 1919 nochmals aufgelegt, ergänzt durch den Untertitel „Aufruf zur Revolution“. Ihre weit reichende Korrespondenz zur Ermittlung statistischer Angaben für ihr Armenbuch erregte großes Aufsehen, das Buch wurde bereits vor seinem Erscheinen von der preußischen Zensur verboten und erschien - in unvollständiger Form - erst 1969.
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Obras

Goethes Briefwechsel mit einem Kinde, 1835 (der Briefwechsel mit Goethe in stark bearbeiteter Form)
Die Günderode, 1840 (ebenfalls stark bearbeitet)
Dies Buch gehört dem König, 1843
Clemens Brentanos Frühlingskranz, aus Jugendbriefen ihm geflochten, 1844 (weniger stark bearbeitet als die ersten beiden briefbücher; die Originale sind nicht erhalten)
Ilius Pamphilius und die Ambrosia, 1848 (kaum bearbeitet)
An die aufgelöste Preußische Nationalversammlung, 1849

Bibliografía Crítica

Bettina von Arnims Armenbuch, hg. von Werner Vordtriede, Frankfurt a.M. 1969.
Konstanze Bäumer, Hartwig Schultz: Bettina von Arnim, Berlin 2004.
Michaela Diers: Bettine von Arnim, München 2001.
Gisela Dischner: Bettina von Arnim. Eine weibliche Sozialbiografie des 19. Jahrhunderts, Berlin 1981.
Ingeborg Drewitz: Bettine von Arnim "... muß man nichts als leben", Berlin 2002.
Dagmar von Gersdorff: Bettina und Achim von Arnim, Reinbek 2002.
Ulrike Growe: Das Briefleben Bettine von Arnim-vom Musenaufruf zur Selbstreflexion, Würzburg 2003.
Helmut Hirsch: Bettine von Arnim. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbek 1987.
Lisabeth M. Hock: Replicas of a female Prometheus. The texual personae of Bettina von Arnim, New York 2000.
Ulrike Landfester: Selbstsorge als Staatkunst. Bettine von Arnims politisches Werk, Würzburg 2000.
Heinrich Lilienfein: Bettina. Dichtung und Wahrheit ihres Lebens, München 1949.
Ulrike Prokop: Die Freundschaft zwischen Katharina Elisabeth von Goethe und Bettina Brentano - Aspekte weiblicher Tradition. In: Facetten feministischer Theoriebildung. Materialienband 2. Frankfurt1987, S. 39 – 84.
Ursula Püschel: Bettina von Arnim - politisch. Erkundungen, Entdeckungen Erkenntnisse, Bielefeld 2005.
Ursula Püschel: Die Welt umwälzen - denn darauf läufts hinaus. Der Briefwechsel zwischen Bettina von Arnim und Friedrich Wilhelm IV, Bielefeld 2001.
Ursula Püschel: Bettina von Arnims Polenbroschüre, Berlin 1954.
Angela Thamm: Romantische Inszenierungen in Briefen. Der Lebenstext der Bettine von Arnim, Diss. Marburg 2000.

Enlaces de interés

Texto Representativo

An Goethe
Da ich Dir zum letztenmal schrieb, war's Sommer, ich war am Rhein und reiste später mit einer heiteren Gesellschaft von Freunden und Verwandten zu Wasser bis Köln; als ich zurückgekommen war, verbrachte ich noch die letzten Tage mit Deiner Mutter, wo sie freundlicher, leidseliger war als je. Am Tag vor ihrem Tod war ich bei ihr, küßte ihre Hand und empfing ihr Lebewohl in Deinem Namen. Denn ich hab' Dich in keinem Augenblick vergessen; ich wußte wohl, sie hätte mir gern Deine beste Liebe zum Erbteil hinterlassen […]. Der Geist auch unwillkürlich bahnt sich eine Freistätte, in der ihn nichts hindert zu walten nach seinem Recht, was diesem nicht Eintrag tut, wird er gern der Willkür andrer überlassen. Das hat die Mutter oft an Dir gepriesen, daß Deine Würde aus Deinem Geist fließe, und daß Du einer andern nie nachgestrebt habest; die Mutter sagte, Du seist dem Genius treu, der Dich ins Paradies der Weisheit führt, Du genießest alle Früchte, die er Dir anbietet, daher blühen Dir immer wieder neue, schon während Du die ersten verzehrst. Lotte und Lene aber verbieten dem Jacobi das Denken als schädlich, und er hat mehr Zutrauen zu ihnen als zu seinem Genius, wenn der ihm einen Apfel schenkt, so fragt er jene erst, ob der Wurm nicht drin ist. Es braucht keinen großen Witz, und ich fühle es in mir selber gegründet: im Geist liegt der unauslöschliche Trieb, das Überirdische zu denken, so wie das Ziel einer Reise hat er den höchsten Gedanken als Ziel; er schreitet forschend durch die irdische Welt der himmlischen zu, alles was dieser entspricht, das reißt der Geist an sich und genießt es mit Entzücken, drum glaub' ich auch, daß die Liebe der Flug zum Himmel ist. Ich wünsch' es Dir, Goethe, und ich glaub' es auch fest, daß all Dein Forschen, Deine Erkenntnis, das, was die Muse Dir lehrt, und endlich auch Deine Liebe vereint Deinem Geist einen verklärten Leib bilden, und daß der dem irdischen Leib nicht mehr unterworfen sein werde, wenn er ihn ablegt, sondern schon in jenen geistigen Leib übergeströmt. Sterben mußt Du nicht, sterben muß nur der, dessen Geist den Ausweg nicht. Denken beflügelt den Geist, der beflügelte Geist stirbt nicht, er findet nicht zurück in den Tod […].
Landshut, den 18. Dezember 1808. Dir innigst angelobt
Bettine Brentano,
bei Baron von Savigny.
(Goethes Briefwechsel mit einem Kinde)

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