Escritoras y Pensadoras Europeas

Karoline Von Günderrode (1780 - 1806)

por Maria Evelina Santoro

Karoline Von Günderrode

Karoline von Günderrode wurde am 11. Februar 1780 in Karlsruhe geboren. Die Familie Günderrode gehörte seit dem 16. Jahrhundert zu den führenden Patriziergeschlechtern von Frankfurt am Main. Nach dem Tod des Vaters 1786 lebte die Familie in beengten Verhältnissen. Karolines frühe Jahre sind von einem gerichtlichen Streit gezeichnet, den sie zusammen mit der Mutter um das Erbe führte. Mit siebzehn wurde Karoline als „Stiftsfräulein“ des evangelischen Cronstetten-Hynspergischen Adeligen Damenstift in Frankfurt am Main angenommen. Das Stift sicherte mittellosen weiblichen Angehörigen der Alten-Limpurger Familien den materiellen Lebensunterhalt. Karoline studierte als Stiftsdame Philosophie, Geschichte, Literatur und Mythologie und entwickelte eine tiefe Sehnsucht nach einem erfüllten, selbstbestimmten Leben. Die Französische Revolution begeisterte sie. Ihre Liebesgeschichten hielten sie in Atem. Schon früh zeichneten sich die Themen ab, die sie ein Leben lang beschäftigen sollten: Gefangenschaft und Freiheit, Liebe und Tod. Ihre erste große Liebe wurde Friedrich Carl von Savigny. Er war damals Jurastudent und führte das junge Mädchen in den Kreis der Romantiker ein. Savigny ahnte nicht, dass seine Verehrerin Gedichte schrieb. Sie hatte allen Grund, es zu verbergen. Die enge Freundschaft zu der ebenfalls sehr wissensdurstigen Bettina von Arnim brach die Günderrode kurz vor ihrem Tod abrupt ab, da ihr Geliebter Friedrich Creuzer die Brentano-Familie nicht schätzte. Als Karoline mit 24 Jahren unter dem Pseudonym „Tian“ ihr erstes Buch, Gedichte und Phantasien (1804), veröffentlichte, wurde sie sowohl von Goethe als auch von Clemens Brentano sehr geschätzt. Es folgte eine weitere Sammlung von Gedichten, Poetische Fragmente (1805). Das Werk von Karoline von Günderrode aber steht bis heute im Schatten ihres Lebens. Dabei schrieb sie einige der schönsten Gedichte der europäischen Romantik, so das todessüchtige Hochroth. Ihre Dichtungen sind schwermütig und kühn, dabei aber schon im neunzehnten Jahrhundert nannte man Karoline von Günderrode die „Sappho der Romantik“. Karolines Dichtungen bringen nicht nur den Konflikt zum Ausdruck, in dem sich eine liebende Frau damals befand, die zugleich ihr eigenen Ideen zu verwirklichen suchte, sie nehmen auch das Ende ihres hochgespannten Lebens vorweg. Die ungewöhnliche Erscheinung der Stiftsdame und Poetin war schon den Zeitgenossen ein Rätsel. Auch ihre Poesie schreckte in ihrer Bedingungslosigkeit viele Leser ab. Man zweifelte an ihrer Weiblichkeit. Denn Karoline von Günderrode widersprach den Vorstellungen der damaligen Zeit, wie eine Frau sich zu verhalten - und wie sie zu dichten habe .Auf einem Ausflug lernte Karoline den bedeutenden Philologen und Mythenforscher Friedrich Creuzer und seine dreizehn Jahre ältere Frau kennen. Nun erhielten ihre Lebensthemen einen Schub — und auch ihre Konflikte. Friedrich Creuzer schätzte ihre Dichtung und half ihr, diese zu verlegen. Karoline und Friedrich Creuzer versprachen einander bis in den Tod zu lieben. Doch Karoline konnte sich ein Leben als Professorengattin nicht vorstellen. Der Gelehrte spielte mit dem Gedanken an eine ménage à trois. Der kränkliche Friedrich Creuzer hatte aber nicht den Mut, sich von seiner Frau zu trennen. Karoline von Günderrode beschäftigte sich unter dem Einfluss von Friedrich Creuzer mit dem Studium früher, auch matriarchaler Gesellschaften. Auch darin war sie ihrer Zeit voraus. In Männerkleidung wollte sie Friedrich Creuzers Vorlesungen besuchen, um dem Geliebten so nah wie möglich zu sein. Als Friedrich Creuzer erkrankte und seine Frau ihn gesundpflegte, schwor er ihr, sich von seiner jungen Geliebten zu trennen. Schon lange besaß sie einen Dolch mit einem silbernen Griff. Aus unglücklicher Liebe, aber auch belastet von dem unlösbaren Konflikt zwischen ihrem Freiheitsbedürfnis und der Frauenrolle der damaligen Zeit, erdolchte sie sich selbst am Flussufer in Winkel am Rhein. Am nächsten Tag fand man ihre Leiche im Wasser. Friedrich Creuzer tat alles, damit Karolines postumes Werk Melete nicht publiziert wurde. Er kommt als „Eusebio“ in dem Buch vor und wünschte nicht erkannt zu werden. Erst hundert Jahre nach dem Tod der Dichterin konnte „Melete“ veröffentlicht werden. Ihr Zwiespalt zwischen Liebe und Freiheitsdrang spiegelt die Situation der Frau in der bürgerlichen Elite um 1800 und wirft auch ein Licht auf die späteren Emanzipationsbewegungen. Die Radikalität, mit der sie ihr Gefühl auszuleben versuchte, hat schon ihre Zeitgenossen fasziniert. In den siebziger Jahren wurde Karoline zu einer Identifikationsfigur der Frauenbewegung. Christa Wolf steuerte einen Essay zu diesem Band bei und machte Karoline von Günderrode zu einer Protagonistin ihrer Erzählung „Kein Ort. Nirgends“. Allerdings erfährt man hier viel über Christa Wolf und wenig über Karoline; so wie schon Bettine von Arnim die Dichterin zum Medium ihrer eigenen Weltsicht gemacht hatte.

Obras

-Gedichte und Phantasien,1804
-Poetische Fragmente, 1805
-Melete, 1805
Neuere Ausgaben:
-Sämtliche Werke und ausgewählte Studien. Historisch-Kritische Ausgabe, hg. von Walter Morgenthaler, Basel/Frankfurt a. M. 1990–1991.
-Gedichte, Prosa, Briefe, hg. von Hannelore Schlaffer, Stuttgart 1998.
-Der Schatten eines Traumes. Gedichte, Prosa, Briefe, Zeugnisse von Zeitgenossen, hg. von Christa Wolf, München 1997.

Bibliografía Crítica

-Bettine von Arnim: Die Günderode, Frankfurt a.M. 1994.
-Dagmar von Gersdorff: Die Erde ist mir Heimat nicht geworden. Das Leben der Karoline von Günderrode, Frankfurt a. M. 2006.
-Markus Hille: Karoline von Günderrode, Reinbek 1999.
-Margarete Lazarowicz: Karoline von Günderrode. Porträt einer Fremden, Frankfurt a. M. 1986.
-Christa Wolf: Kein Ort. Nirgends, Berlin und Weimar 1979.

Enlaces de interés

Texto Representativo

Die eine Klage

Wer die tiefste aller Wunden
Hat in Geist und Sinn empfunden
Bittrer Trennung Schmerz;
Wer geliebt was er verlohren,
Lassen muß was er erkohren,
Das geliebte Herz,
Der versteht in Lust die Thränen
Und der Liebe ewig Sehnen
Eins in Zwei zu sein,
Eins im Andern sich zu finden,
Daß der Zweiheit Gränzen schwinden
Und des Daseins Pein.
Wer so ganz in Herz und Sinnen
Konnt' ein Wesen liebgewinnen
O! den tröstet's nicht
Daß für Freuden, die verlohren,
Neue werden neu gebohren:
Jene sind's doch nicht.
Das geliebte, süße Leben,
Dieses Nehmen und dies Geben,
Wort und Sinn und Blick,
Dieses Suchen und dies Finden,
Dieses Denken und Empfinden
Giebt kein Gott zurück.

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